Wall Street II – Geld schläft nicht setzt sich mit der Finanzkrise kritisch auseinander. Wie nah kommt Analyst Jakob Moore an die Wirklichkeit heran? Wer war das Vorbild für Investmentbanker Louis Zabel? Sind Bonuszahlungen jenseits der eine Million-Dollar-Grenze für Analysten unter 25 überhaupt möglich? Was hat Bear Stearns mit Wall Street 2 zu tun und warum greift der Staat den Banken unter die Arme? Erfahre, ob der Film Wall Street II schwachsinnig ist oder auf realen Ereignissen beruht.

Wall Street II – Die Die Handlung in unter drei Minuten erklärt

Video: Trailer Wall Street II Geld schläft nicht. Der Film begeisterte zum November 2018 rund 573.000 Besucher. Das Einspielergebnis lag mit 134,7 Millionen Dollar, bzw. 116,5 Millionen Euro im Rahmen der Erwartungen. Die Kosten beliefen sich auf 70 Millionen Dollar.

Jake Moore arbeitet bei der Investmentbank Keller Zabel als Analyst. In seinem Vorgesetzten Louis Zabel sieht er nicht nur einen Mentor, sondern auch einen Vater. Von Louis hat er auch das Trading erlernt und bei Keller Zabel seine Trading Ausbildung absolviert. Der junge Börsianer bekommt von seinem Mentor einen Bonuscheck über 1,45 Million Dollar überreicht. Die Zeichen der Zeit stehen zu diesem Zeitpunkt bereits auf Crash! Louis Zabel ist zu alt für den Job geworden. Er versteht nicht, wie Leute auf fallende Kurse setzen und dabei noch richtig Geld verdienen können.

Wall Street 2 – Jakob Moore wird als schlagfertiger Analyst in Szene gesetzt

Louis Zabel von Keller Zabel begeht im Film Wall Street 2 Selbstmord

Bild: Louis Zabel ist Keller Zabel. Seine Investmentbank hatte sich während der Dot-Com-Blase gegen die Rettung von Churchill Schwartz und Bretton James entschieden. Ein Fehler, denn die Bank wurde trotzdem gerettet und Bretton James ist auf Rache aus. Bildquelle: Trademy

Jakob ist von der Summe auf dem Bonuscheck vollkommen überwältigt und investiert eine Million Dollar aus dem Bonus in Keller Zabel Aktien. Zuvor hatte ihm sein bester Freund davor gewarnt, da Gerüchte um die älteste Investmentbank die Runde machen. Doch Jacob will davon nichts wissen und setzt neben der Million noch einen Kredithebel von 500.000 Dollar ein.

In einer vorherigen Besprechung hatte Jakob seinen Vorgesetzten Stan vorgeführt und Schlagfertig auf Sticheleien bezüglich seines Aktienlieblings der United Fusion Corporation reagiert.

Wall Street 2 – Keller Zabel sitzt auf toxische Wertpapiere

Gerüchte um Keller Zabel lassen den Kurs der Firma ins Bodenlose fallen und bringen das Investmenthaus in Bedrängnis. Angeblich sitzt Zabel auf einen Berg von toxischen Wertpapieren.

Louis Zabel sind die Hände gebunden. Er muss Keller Zabel an Churchill Schwartz für drei Dollar pro Aktie verkaufen. Bretton James, CEO von Churchill Schwartz und Verhandlungsführer des Deals muss den Preis so niedrig ansetzen, da er nicht weiß, ob Zabel auf Risiken im Wert von 10 Milliarden oder 200 Milliarden sitzt. Das Finanzministerium unterstützt den Deal und stellt Staatshilfen zur Verfügung.

Zabel selbst war in einer schwachen Verhandlungsposition, denn die Chinesen und Koreaner hatten ihr ursprüngliches Interesse an der Bank zurückgenommen. Die Araber und Briten waren zwar noch im Spiel, doch musste über das Wochenende eine Lösung gefunden werden. Das wusste Bretton James und nutzte dies zu seinem Vorteil.

Wall Street II – Louis Zabel begeht Suizid!

Die herbe Niederlage treibt Louis Zabel in den Selbstmord. Er wirft sich vor eine einfahrende U-Bahn der IRT Lexington Avenue Linie und ist sofort tot. Der tragische Vorfall ereignet sich an der Station 77th Street in der Upper East Side.

Als Jakob davon erfährt, macht er seiner Verlobten Winnie einen Heiratsantrag.

Wall Street II – Jakob Moore als Ritter in grüner Rüstung!

In die United Fusion Corporation hat Keller Zabel ordentlich investiert. Seine Analystenkollegen spotten bereits über Moore und die versenkten 50 Millionen Dollar. Doch Jakob glaubt an das Unternehmen und deren visionäre Technologie. Er muss zum Fortbestehen von United Fusion weitere 100 Millionen Dollar auftreiben.

Jake Moore verpasst Bretton James einen Denkzettel

Zeichnung von Bretton James aus Wall Street II Geld Schläft nicht

Bild: Bretton James ist abgezockt und beteiligt sich über einen Fonds am Kursmassaker von Keller Zabel. Seine Aktionen bleiben nicht ohne Folgen. Quelle: Trademy

Jakob macht Bretton James für den Tod von Louis Zabel verantwortlich und bemüht sich um dessen Aufmerksamkeit. Er verbreitet unter seinen Kollegen das Gerücht, dass Hydra Offshore die Bohrrechte entzogen werden. Die Nachricht verbreitet sich wie ein Lauffeuer und die Aktie stürzt ab. Weil Churchill Schwartz einen Anteil am Unternehmen hält, fallen die Kurse der Bank um ebenfalls acht Prozent.

Bretton James stellt Jakob Moore ein

Auch wenn die Aktion von Jakob Moore der Bank mehrere 100 Millionen Dollar kostete, will Bretton James den jungen Analysten bei sich einstellen. Dieser lässt sich nicht zweimal bitten, denn nun gehört er zum engeren Kreis von Bretton und kann seinen Rachefeldzug weiter planen.

Gordon Gekko soll Jakob Moore Informationen besorgen

Das Verhältnis zwischen Gordon Gekko und seiner Tochter Winnie ist sehr schlecht. Er möchte von Jakob ein Foto von Winnie haben und im Gegenzug bringt er in Erfahrung, wer für den Kurssturz bei Keller Zabel verantwortlich war.

Bretton James verdiente an der Krise von Keller Zabel

Im Jahr 2001 ist Churchill Schwartz beim Platzen der Internetblase in Schieflage geraten. 13 Banken sollten das Unternehmen retten und jeweils 100 Millionen Dollar beisteuern. Keller Zabel weigerte sich damals. Diese Entscheidung lastete schwer auf Bretton und er suchte nach einer geeigneten Möglichkeit Keller Zabel zu zerschlagen.

Bretton James streute Gerüchte, dass das Investmenthaus Unmengen an toxischen Wertpapieren besitzt und schickte damit die Aktie auf Talfahrt. Bevor er die Gerüchte verbreitete, tätigte er über einen ausländischen Fonds Leerverkäufe. Er wettete folglich auf einen Kursrutsch bei Keller Zabel und verdiente damit Millionen. Das Geld wanderte allerdings in die eigene Tasche.

Jakob Moore liefert Story an The Frozen Truth

Mithilfe der Website von Winnie deckt er die Machenschaften um Keller Zabel auf und veröffentlicht einen Artikel auf The Frozen Truth. Der Artikel bringt Bretton James in Bedrängnis und schließlich zu Fall.

United Fusion bekommt 100 Millionen Dollar

Nachdem Jakob die Chinesen fast von einem Investment in United Fusion überzeugen konnte, springen sie ab und investieren lieber in ein Unternehmen aus der Solarbranche.

Dank des Geldes von Gordon Gekko konnte Jake am Ende doch noch die erhofften 100 Millionen auftreiben und die Forschung von United Fusion finanzieren.

TRADING AUSBILDUNGOnline I >200 Videos I Profis I Value Datenbank

 

Wall Street II – Die Charaktere

Bud Fox gespielt von Charlie Sheen hat in Wall Street 2 einen kleinen Gastauftritt. Sonst ist keine der ehemaligen Figuren aus dem ersten Teil vertreten. Abgesehen vom berüchtigten und gezähmten Gordon Gekko.

Die wichtigsten Rollen aus Wall Street 2 Geld schläft nicht:

  • Jacob Moore: Jacob ist mit der Tochter von Gordon Gekko zusammen und möchte sie heiraten. Er ist Analyst bei Keller Zabel und versucht die Forschung eines innovativen Unternehmens zu finanzieren. Jacob Moore wird von Shia LaBeouf gespielt.
  • Bretton James: Bretton ist Geschäftsführer bei Churchill Schwartz. Er ähnelt in seinen Charakterzügen Gordon Gekko. Als gerissener Geschäftsmann übernimmt er zum Spotpreis das Institut Keller Zabel. Am Ende des Films wird er durch Jacob Moore überlistet und verliert seinen Posten als CEO. Bretton James wird von Josh Brolin gespielt.
  • Gordon Gekko: Die achtjährige Haftstrafe hat aus Gordon Gekko keinen besseren Menschen gemacht. 100 Millionen von seinem ursprünglichen Vermögen konnte er retten, doch um es abzurufen, benötigt er seine Tochter Winnie. Es entwickelt sich eine Geschichte voller Zwietracht und Enttäuschung. Gordon Gekko wird von Michael Douglas gespielt.
  • Louis Zabel: Er ist der Mentor von Jakob Moore und Gründer von Keller Zabel. Er begeht im Film Selbstmord. Zuvor wurde Keller Zabel zum lächerlichen Preis von 3 Dollar pro Share übernommen. Louis Zabel wird von Frank Langella gespielt.
  • Winnie: Die Tochter von Gordon Gekko arbeitet an einem unabhängigen Magazin namens The Frozen Truth. Die Besucherzahlen entwickeln sich gut, doch der Durchbruch lässt noch auf sich warten. Jake bringt ihr die Story, die sie braucht. Winnie wird von Carey Mulligan gespielt.

Wer war das Vorbild für Jakob Moore aus Wall Street II?

Das Gemälde stellt Jakob Moore aus Wall Street II Geld Schläft nicht dar.

Bild: Zeichnung von Jakob Moore, dem jungen Analysten und künftigen Ehemann von Gordon Gekkos Tochter Winnie. Bildquelle: Trademy

Jake Moore, bzw. Jakob Moore verkörpert einen hungrigen Analysten an der Wall Street. Im Alter von 24 Jahren scheint er nicht nur ein ausgezeichnetes Netzwerk zu besitzen, sondern erarbeitet sich auch einen Bonus in Millionenhöhe. Doch wer ist der von Shia LaBeouf gespielte Jakob Moore und kommt seine Rolle an die Realität heran?

100 Stunden die Woche im Büro – Jakob Moore ist lieber unterwegs!

In einem Interview mit der Zeit sagte ein anonymer Analyst, dass neun von zehn Banker ihre Arbeit hassen. Dazu gehört Jake aus Wall Street II scheinbar nicht. Irgendwie verständlich, schließlich ist er die meiste Zeit auf seinem Motorrad und imponiert einflussreichen Personen. Mit der Realität hat das wohl weniger zu tun. Die meiste Zeit sitzen Analysten in seinem Alter im Büro. Die sogenannten Seniors sind dann schon seltener im Büro anzutreffen. Wäre natürlich nicht sexy für den Film.

Ist Jake aus Wall Street II überhaupt Analyst?

Die Frage kann mit einem klaren „Nein“ beantwortet werden. Seine Tätigkeit ist der Private Equity zuzuordnen. Er ist für das ihm am herzen liegende Unternehmen aus der erneuerbaren Energiebranche zuständig und muss dringend Kapital besorgen, damit die Forschung und Entwicklung weitergehen kann. Dafür greift er auf Kapital abseits der Börse zurück. Die sogenannte Private Equity oder Beteiligungsgesellschaften finanzieren Unternehmen abseits der Börse.

Jakob Moore kämpft für seine Überzeugung! Sind Analysten Idealisten?

Der erste Teil von Wall Street war weniger widersprüchlich. Auf der einen Seite spielt Shia LaBeouf einen jungen, attraktiven und erfolgreichen Analysten, der sich für eine gesunde Umwelt einsetzt und auf der anderen Seite fährt er Motorrad und lebt in einem großzügigen Loft.

Nicht alle Analysten sind Raubtierkapitalisten. Im Gegenteil, es sind Menschen mit Träumen und Zielen. Wer einmal mit einem Analysten gesprochen hat, wird merken, dass diese Menschen ganz normal sind und nicht für Geld über Leichen gehen. Obwohl Geld zu den effektivsten Motivationsfaktoren gehört. Keiner würde ohne eine entsprechende Gegenleistung 100 Stunden in der Woche arbeiten. Während der Ottonormalverbraucher nach Feierabend von der Arbeit nichts mehr wissen möchte, schuften sich die Junganalysten ab.

Ein Insider sagte einmal, dass fünf Prozent der Banker richtige Arschlöcher sind. Zehn bis zwanzig Prozent würde er als Halsabschneider bezeichnen. Bei den restlichen 75 Prozent handelt es sich um rechtschaffende Bürger.

Jakob Moore ist immer gut gekleidet. Entspricht das der Wahrheit?

Es soll ja Menschen geben, die gerne den ganzen Tag einen Anzug samt Schlips tragen. Ich gehöre definitiv nicht dazu. Im Film wird es überzogen dargestellt. Bei Kundenkontakt ist ein formeller Dresscode Pflicht, aber am Arbeitsplatz vor seinen Bildschirm, trägt niemand ein Einstecktuch oder eine Krawatte.

Jake hängt mit den Branchengrößen rum! Wahrheit oder überzogen?

Analysten sehen im Aufzug mit Sicherheit den Chef ihrer Bank oder ihres Investmenthauses. Doch wie Jakob Moore im Film Wall Street II mit seinen obersten Vorgesetzten Louis Zabel im Park den Hund ausführt, ist absurd. Auch der Kontakt zu Bretton James, dem CEO von Churchill Schwartz ist deutlich überzeichnet.

Entsprechen die gezeigten Bonuszahlungen im Film Wall Street II der Wahrheit?

In einer Szene aus Wall Street II Geld schläft nicht versucht Regisseur Oliver Stone die Analysten als geldgeile und egoistische Schweine darzustellen. Nur Jakob Moore wagt es dem Establishment zu wiedersprechen. Der Vorgesetzte von Jake ist mit anderen Analysten in einem Meeting und empfiehlt ein Hydra Offshore. Als Jake Stan entgegnet, dass das Investment langfristig nicht zu empfehlen sei, merkt sein Boss an, dass seine eigene Idee allen Anwesenden einen hohen Bonus beschert. Schließlich kommt es genau darauf an. Etwas spöttisch antwortet Jake darauf, dass das der Mann sagt, der Google für eine Blase hielt. Weiter führt Jakob Moore ins Feld, dass Investments in den Teil der Welt nicht ohne Risiko sind, denn die Regierungen haben in der Vergangenheit das ein oder andere Ölfeld verstaatlicht. Stan bleibt bei seiner Meinung, denn die Aktie sei zu 31 Prozent unterbewertet und Churchill Schwartz ist darin investiert.

Die Finanzkrise hat zu einem Umdenken geführt. Heute sind die Bonuszahlungen mittelfristig angelegt.

Jake bekommt einen Bonus über 1,45 Millionen Dollar! Realistisch oder fake?

Sag niemals nie! Allerdings ist es mit 24 Jahren fast ausgeschlossen, einen solchen Bonus zu erhalten.  Ende 20 oder Anfang 30 können Bonuszahlungen von über eine Million Dollar schon eher erreicht werden. Bevor der Check überreicht wird, wird mit dem Vorgesetzten überprüft, was der Analyst in dem laufenden Jahr erreicht hat.

TRADING AUSBILDUNGOnline I >200 Videos I Profis I Value Datenbank

 

Der Fall Bear Stearns – Parallelen zu Keller Zabel

Als die beiden Hedge Funds von Bear Stearns pleitegingen, hätte die Welt die Finanzkrise sehen müssen. Wenige Monate später nahm die Geschichte ihren Lauf.

Bild: Besonders Tragisch ist der Abverkauf 2008. Der Kurs von Bear Stearns stürzte zeitweise auf unter fünf Dollar. Am Ende erhielten die Aktionäre 10 Dollar in neue Aktien von JPMorgan. Ein nur schwacher Trost, wenn man sich die ehemaligen Höchststände anschaut. Quelle: Ariva und Trademy

Lehman Brothers ist den meisten Börsianern ein Begriff. Bevor die Bank vor die Hunde ging, manövrierte sich Bear Stearns in eine am Ende aussichtslose Position. Für tausende Mitarbeiter und Aktionäre hatte die Geschichte um Bear Stearns kein Happy End. Oliver Stone bringt mit Keller Zabel und deren Gründer Louis Zabel die Geschichte in einen Handlungsstrang von Wall Street II auf die große Kinoleinwand. Für mich eine der besten Szenen im Film.

Keller Zabel im Film Wall Street II

Die Aktien von Keller Zabel sind um 50 Prozent gefallen und Louis Zabel versucht im Kreise der anderen Wall Street Größen eine Rettung zu arrangieren. Ausgerechnet Bretton James vom Konkurrenten Churchill Schwartz blockiert die Aktion. Obwohl es Louis Zabel war, der die Bank Churchill Schwartz acht Jahre zu vor rettete.

Doch wie lief der Absturz des Traditionshauses in Wahrheit ab?

Vom Allzeithoch zur Talfahrt – Hedge Funds von Bear Stearns werden fast wertlos

Im Januar 2007 war die Welt für die Aktionäre von Bear Stearns noch in Ordnung. Von einer Finanzkrise wollte niemand etwas hören und der Aktienkurs erreichte mit 171 US-Dollar ein neues Alltime-High.

Bear Stearns – Der Enhanced Leverage Fund und High-Grade Fund werden wertlos

In der Mitte des Jahres 2007 kam die erste Hiobsbotschaft für die Investoren der beiden Hedge Fonds  Enhanced Leverage Fund und High-Grade Fund. Beide Fonds kauften auf Kredit mehr und mehr CDOs. Das Spiel wurde bis zur Perversion getrieben. Den 1,5 Milliarden Dollar Einlagen standen 20 Milliarden Dollar an Vermögenswerten gegenüber, welche auf Pump finanziert wurden.

Bear Stearns – Die Strategie des Enhanced Leverage Fund und High-Grade Fund

Die Verzinsung der CDOs lag höher, als die zu zahlenden Zinsen für das aufgenommene Fremdkapital. Zusätzlich wurden CDS zur Absicherung gegen Schwankungen am Kreditmarkt gekauft. Das Geschäftsmodell war lange Zeit eine Gelddruckmaschine für Bear Stearns. Zumindest solange sich der Markt stabil und im Rahmen der Erwartungen bewegt.

Bear Stearns – Aus den satten Gewinnen, wurden satte Verluste!

Das Model bröckelte, denn der Immobilienmarkt entwickelte sich entgegen den Erwartungen der Experten. Der Verantwortliche Hedge-Fonds-Manager Ralph Gioffi hatte den Anstieg der Zinsen und die Krise am Hypothekenmarkt nicht richtig kalkuliert.

Es wurde eine Kette von Ereignissen ausgelöst, die am Ende darin gipfelten, dass der Enhanced Leverage Fund komplett wertlos wurde und der High-Grade Fund um 91 Prozent gefallen sei. Beide Fonds verfügten noch Ende 2006 über Einlagen von 1,5 Milliarden Dollar, bzw. 1,1 Milliarden Euro. Alles verpufft. Bear Stearns musste am Ende mit einem Kredit von 3,2 Milliarden Dollar in die Breche springen, um keinen Kursrutsch an den Börsen auszulösen.

Enhanced Leverage Fund und High-Grade Fund reihen sich in die Liste gescheiterter Fonds ein.

Die beiden Fonds von Bear Stearns reihen sich damit in die Skandale um den Long-Term Capital Management Fonds und Amaranth-Fonds ein. Ersteres hatte die Krise um den Rubel nicht einkalkuliert und der Amaranth Fonds verspekulierte sich bei den Erdgaspreisen.

Januar 2008 – CEO James Cayne verlässt Bear Stearns

Das Gemälde stellt James Cayne dar. Er war CEO von Bear Stearns und hielt 5,61 Millionen Aktien am Unternehmen.

Bild: James Cayne räumte als Konsequenz aus den beiden Hedge-Fonds-Pleiten seinen Posten als Geschäftsführer bei Bear Stearns. Bildquelle: Trademy.de

James Cayne oder Jimmy wie ihn seine Freunde nannten, spielte gerne und häufig Bridge und flog nicht selten für einige Tage mit dem Helikopter zum Golfen. Böse Zungen behaupten, er wäre öfter für sein eigenes Vergnügen unterwegs gewesen, statt im Büro die Geschicke von Bear Stearns zu lenken.

James Cayne sein Vermögen – Vom Milliardär zum Multi-Millionär

Im Jahr 2006 gehörte Cayne zu den ersten CEOs an der Wall Street, deren Aktienanteile am eigenen Unternehmen mehr als eine Milliarde Dollar wert waren. Insgesamt verfügte er über 5,61 Millionen Bear Stearns Aktien.

James Cayne – Einer der 400 reichsten Amerikaner

Bereits 2005 schaffte James Cayne es mit Platz 384 auf die Liste der reichsten Amerikaner von Forbes.

James Cayne – Verkauft seine Anteile für 1/10 des ursprünglichen Wertes

Als James Cayne den CEO Posten räumen musste, behielt er seine Anteile. Ein schwerer Fehler, wie sich später zeigte. Als JPMorgan ihr Übernahmeangebot machte, verkaufte Cayne seine Anteile für insgesamt 61 Millionen US-Dollar. Damit war ein Aktienanteil nur noch 10,81 Dollar wert. Gegenüber der Vanity Fair sagte Jimmy, dass sein Vermögen heute 400 Millionen US-Dollar beträgt. Damit lässt es sich zweifellos sehr gut leben, doch in den Club der Milliardäre kommt er wohl nicht mehr.

Als er die Firma verlassen hatte, ging der Aktienkurs nochmal kurz nach oben. Anschließend ging es Schlag auf Schlag in die andere Richtung.

Alan Schwartz – übernimmt das Ruder und spricht von ausreichend Liquidität

Alan Schwartz als Gemälde. Den Ausverkauf bei Bear Stearns konnte er nicht stoppen. Dennoch setzte er alles daran. Am Ende wurde Bear Stearns zumindest nicht komplett sich selbst überlassen, sondern fand mit JP Morgan einen Käufer.

Bild: Alan Schwartz ist ein Macher und stellt sich gerne dem Wettbewerb. Leider konnte er den Kursverfall nicht aufhalten. Im Film Wall Street II Geld schläft nicht verkörpert Louis Zabel den ehemaligen Chef von Bear Stearns. Im echten Leben dürfte Alan Schwartz aber nicht so nahbar wie Zabel gewesen sein. Auch lebt Schwartz noch und stürzte sich nicht vor eine U-Bahn. Bildquelle: Trademy.de

Alan Schwartz war zu diesem Zeitpunkt 57 Jahre alt und damit deutlich agiler als der 73 jährige James Cayne. Aber Cayne zog sich nicht komplett aus den Geschäften von Bear Stearns zurück. Er wurde Verwaltungsratsvorsitzender. Alan Schwartz galt als Leistungsträger, da er fast Profi Baseballspieler geworden wäre. Leider kam ihm eine Verletzung dazwischen. Ihm wurde allerdings auch nachgesagt, nicht das nötige taktische Know How wie Cayne zu besitzen. Es wurde befürchtet, dass andere Banken die Kontrolle über Bear Stearns erlangen könnten. Naja, am Ende kam es genau so. Was aber wahrscheinlich weniger der Fehler von Alan Schwartz war.

Im März 2008 scheiterte ein Versuch von Schwartz die Börsianer in einem Fernsehinterview zu beruhigen. Er verlautete öffentlich, dass Bear Stearns über genug Liquidität verfügt und sich somit durch schwere Zeiten manövrieren könnte. Nur zwei Tage später bot JP Morgan der Bank eine Notfinanzierung an. Der Kurs hatte sich halbiert und ein Ende war noch nicht in Sicht.

Bear Stearns stürzt unter die Marke von 5 Dollar

Die Kurstalfahrt nimmt kein Ende und erreicht mit weniger als fünf Dollar pro Share seinen traurigen Tiefpunkt. JPMorgan bietet pro Aktie lächerliche zwei Dollar an. Bear Stearns würde bei dieser Bewertung nur 240 Millionen Dollar kosten. Doch JPMorgan wittert einen guten Deal und weiß, dass die Bank unter Druck steht. Im Mai wird das Angebot angepasst und JP Morgan bietet 10 US-Dollar pro Aktie an. Die alten Aktien werden dabei in neue von JP Morgan getauscht.

Für JP Morgan war der Deal dennoch nicht verkehrt, denn die Eingliederung sollte einen Gewinnzuwachs von eine Milliarde Dollar in den nächsten Jahren bringen. Außerdem musste die amerikanische Notenbank die toxischen Papiere aus der Bilanz von Bear Stearns übernehmen. Eine Sonderfinanzierung mit bis zu 30 Milliarden Dollar stellte die FED für Bear Stearns bereit. Damit war ausreichend Liquidität vorhanden und der Weg frei für eine Übernahme durch JP Morgan.

JP Morgan bezifferte die Kosten für eine komplette Eingliederung von Bear Stearns auf sechs Milliarden Dollar. Zu diesem Zeitpunkt arbeiteten bei Bear Stearns 14.000 Angestellte und gerade hatte sich die zu übernehmende Bank eine neue Zentrale im Zentrum New Yorks für eine Milliarde Dollar geleistet.

Auch wenn es immer heißt, dass alle Banker nur auf den eigenen Vorteil aus sind, so ist es zumindest lobenswert zu erwähnen, dass Alan Schwartz und James Cayne auf ihren Bonus verzichtet haben.

Bear Stearns vs. Keller Zabel im Film Wall Street II

Das tragische Meeting im Film Wall Street II zwischen Keller Zabel und der Großbank Churchill Schwartz endet in einem Angebot von drei Dollar pro Aktie. Wie wir bereits erfahren haben, lag das wahre Angebot zu Beginn bei zwei Dollar. Churchill Schwartz wird von Bretton James geführt. Er verkörpert den Chef von JP Morgan Jamie Dimon. Ob es nun tatsächlich so dramatisch abgelaufen ist, wird niemand, abgesehen von den Beteiligten beantworten können. Ich glaube aber, dass die Szene sehr nah an die Realität herankommt.

TRADING AUSBILDUNGOnline I >200 Videos I Profis I Value Datenbank

 

Wall Street II reine Fiktion oder berechtigte Kritik?

Die Finanzkrise wird im Film Wall Street 2 Geld schläft nicht gut aufgearbeitet. Als Zuschauer darf nicht vergessen werden, dass es sich um eine Hollywood Produktion handelt. Das Thema wurde für die Kinobesucher aufgearbeitet und überzeichnet. Die Intention von Oliver Stone war es mit Sicherheit nicht, ein Lehrvideo zur Finanzkrise zu drehen. Diesen Weg ist Adam McKay mit The Big Short gegangen. Die Verfilmung um Michael Burry brachte rund 133 Millionen US-Dollar ein.

Waren an der Finanzkrise ausschließlich die Banken und deren Mitarbeiter schuld?

Bei aller berechtigten Kritik an die Finanzbranche sind die Menschen teilweise auch selbst am Ausmaß schuld. Der Traum vom Eigenheim wurde soweit getrieben, dass Familien mit einem jährlichen Einkommen von 30.000 US-Dollar sich mithilfe von Fremdkapital stattliche Häuser im Wert von 500.000 US-Dollar finanzierten.

Es herrschte auf beiden Seiten Goldgräberstimmung. Die Banken witterten bei den NINJAs (No Income, No Job, No Assets) das große Geschäft und die nicht wirklich kreditwürdigen Kunden konnten sich ihre Träume erfüllen.

Wall Street II greift die Sitzung der New Yorker Zentralbank auf.

Neben der bereits besprochenen Szene um die Rettung von Keller Zabel, beziehungsweise Bear Stearns gehört die Sitzung in der New Yorker Zentralbank zu meinen absoluten Lieblingsausschnitten.

Video: Die Szene zeigt die Auferlegung des Bankenhilfprogramms TARP. Bretton James schätzt, dass rund 700 Milliarden US-Dollar an toxischen Wertpapieren in den Bilanzen der Banken schlummern.

Die Geschäftsführer der großen Banken sitzen gemeinsam mit dem damaligen Finanzminister Henry Paulson an einem großen Tisch und besprechen die Auferlegung eines Rettungsprogramms. Der Finanzminister ist sichtlich erschüttert und weist auf den großen Widerspruch hin. Banken verkörpern wie kein anderes Institut den Kapitalismus und genau sie fordern jetzt staatliche Hilfe. Die ganze Szene gewinnt an Dramatik, wenn man bedenkt, dass das in den USA stattfindet. Es wird auf der Welt kein liberaleres Land geben.

Finanzminister legt TARP auf – Wall Street II bildet Ereignis realistisch ab

Paulson kam den Forderungen der Banker nach und legte den Bankenhilfstopf TARP (Troubled Asset Relief Programm) auf. Das Programm wurde mit 700 Milliarden kapitalisiert. Bis 2011 sind davon 245 Milliarden Dollar an die amerikanischen Banken geflossen. Dem Steuerzahler kostete TARP zu diesem Zeitpunkt 25 Milliarden US-Dollar. Das ist vergleichsweise wenig, denn in Deutschland musste die Regierung 39 Milliarden an Steuergelder zur Stützung der Landesbanken, Commerzbank und HRE bereitstellen. Von 8000 amerikanischen Kredithäusern sind bis 2011 rund 373 den Nachwirkungen der Finanzkrise zum Opfer gefallen.

Merrill Lynch wird Opfer der Krise

Neben Bear Stearns und Lehman Brothers kam Merrill Lynch ins Wanken. Wo im zweiten Quartal 2007 noch ein Gewinn von 2,1 Milliarden Dollar stand, mussten wenig später Verluste kommuniziert werden. Heute gehört das Traditionshaus mit seinen 60.000 Mitarbeitern zur Bank of America. Dieser Schritt war unausweichlich, obwohl sich das Management um Liquidität bemühte. Der Anteil (20 Prozent) an Bloomberg wurde für 4,4 Milliarden Dollar verkauft. Weitere Anteilsverkäufe brachten nochmal 3,5 Milliarden Dollar. Am Ende genügte, das aber nicht und die Bank wurde übernommen.

Wall Street 2 Musik / Soundtrack

Home von David Byrne & Brian Eno


Soundtrack Wall Street 2: Home gehört zu meinen Lieblingssongs von Wall Street II.

« Zurück zum Magazin