Als ich tiefer in die Recherche zur Tulpenmanie einstieg, wurde mir klar, dass die meisten „Fakten“ zur Tulpenmanie falsch waren. Die Tulpenmanie ist nicht mit dem Bitcoin oder einer anderen Spekulationsblase vergleichbar. In Wahrheit lief sie viel rationaler ab, als ich selbst zu Beginn glauben wollte. Ich erzähle dir die ganze Geschichte!

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Die Tulpenmanie war die erste dokumentierte Spekulationsblase. In den nächsten Jahrhunderten sollten noch einige folgen. Am heftigsten ging es während der großen Depression zu, als der Dow Jones richtig an Wert verlor.

Bild: Krisen sind normal. Egal ob nun im Bitcoin oder in der Realwirtschaft. Einzig die Schnelligkeit und somit die Häufigkeit hat sich geändert. Ein schönes Beispiel für die Gier der Menschen war die DotCom-Krise. Obwohl die Firmen keine Gewinne erwirtschafteten, wurde kräftig in die Unternehmen investiert. Für die Menschheit haben solche Crashs auch etwas Gutes, denn binnen kürzester Zeit floss viel Kapital in Unternehmen aus der Internetbranche. Schließlich gingen Player wie Ebay daraus hervor. Bildquelle: Trademy

Die Tulpenmanie im Kontext – Niederlande im goldenen Zeitalter

Im 17. Jahrhundert durchliefen die Niederlanden eine ökonomische und kulturelle Blütezeit. Jedes Jahr wurden 70.000 Gemälde gemalt, die Produktion von Tuch war mit 110.000 Stück pro Jahr so hoch wie noch nie und das Volkseinkommen belief sich auf 200 Millionen Gulden im Jahr. Die Zeit wird nicht ohne Grund, als Goldenes Zeitalter bezeichnet.

Es gab viele Kaufmänner, die es binnen kürzester Zeit zu Reichtum und Wohlstand gebracht haben.

Die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen der Niederlande im 17. Jahrhundert werden bei der Erklärung der Tulpenmanie oftmals unterschlagen. Der Wohlstand und das Aufkeimen einer breiteren Mittelschicht erlauben aus einem bis dato angenommenen Irrationalen Verhalten der Marktteilnehmer eine andere Perspektive einzunehmen. Vielleicht war die Spekulation um den Tulpenpreis deutlich mehr von Vernunft geprägt, als es in den Medien propagiert wird.

Tulpenmanie oder Tulpenwahn: Warum stieg der Preis für eine Tulpenzwiebel exorbitant an?

Die niederländische Gesellschaft erlebte eine Phase des wirtschaftlichen Aufschwungs. Ein Teil der Bevölkerung wusste nicht mehr wohin mit dem Geld. In dieser Zeit waren Tulpen sehr selten und somit auch kostbar. Was uns heute kein Staunen mehr entlockt, war im 17. Jahrhundert von ungewöhnlicher Schönheit. Die Farben der Tulpe waren im Vergleich zu den bekannten Blumen viel intensiver.

Tulpenmanie – Die Tulpe mit ihren Eigenschaften ist am Preis schuld.

Die Knappheit der Tulpen wurde durch den Umstand begünstigt, dass eine Mutterzwiebel im Jahr nur zwei bis drei Zwiebeln entsprossen. Das Angebot war folglich beschränkt und stieß mit den gutsituierten Niederländern auf eine große Nachfrage.

Tulpenmanie – Die Börse sorgt für einen Nachfrageüberhang.

Erstmals in der Geschichte der Menschheit bildete sich eine Art Börse, die es dem neureichen Pfeffersack, dem Schornsteinfeger, Aristokraten, Seemann und Lakaien ermöglichte, vom großen Geld zu träumen.

Tulpenmanie – Wenn der Freund zum Feind wird.

Ich möchte dir eine kleine Geschichte erzählen. Wer weiß, ob die Geschichte wirklich wahr ist. Eindrucksvoll beschreibt die kleine Anekdote die damalige Haltung und Tulpenmanie ganz gut.

Ein Seemann wurde von einer Familie zu Speis und Trank eingeladen. Das Angebot nahm der hungrige Seemann gerne an und setzte sich zu Tisch. Es war das Jahr 1637 und damit war der Höhepunkt der Tulpenmanie erreicht. Neben den besagten Fisch lag auf dem Tisch auch eine Tulpenzwiebel. Sie sollte dem Seemann zeigen, wie wohlhabend der Gastgeber sei. Dem hungrigen und bärtigen Seemann scheint das entgangen zu sein und so biss er kräftig in die Tulpenzwiebel hinein. Er hielt es für etwas zu essen. Der Wert der Zwiebel dürfte nach heutiger Rechnung um die 25.000 Euro sein.

Die Preise für eine Tulpenzwiebel stiegen an,…

  • …, weil die Niederländer sehr vermögend wurden.
  • …, weil das Angebot an Tulpen begrenzt war.
  • …, weil jeder an den Spekulationen teilnehmen konnte und dadurch die Nachfrage stark anstieg.
  • …, weil die Tulpe zum Statussymbol avancierte.

Semper Augustus – Die Sorte wäre heute noch viel teurer als damals zur Zeit der Tulpenmanie

Im Film Wall Street II weist Gordon Gekko seinen Schwiegersohn auf die Mutter aller Spekulationsblasen hin, die Tulpenmanie. Wir haben bereits einige Argumente kennengelernt, warum die Preise für eine Tulpenzwiebel so in die Höhe schossen. Es gibt aber noch einen weiteren Grund. Die Semper Augustus.

Semper Augustus – Die Tulpenmanie würde sich heute sofort wiederholen

Die Tulpenmanie würde sich heute sofort wiederholen, wenn jemand auch nur eine Zwiebel der Sorte „Semper Augustus“ besitzen würde. Was viele nämlich nicht wissen, die Tulpensorte wurde 1637 mit 10.000 Gulden pro Zwiebel als teuerste Tulpe gehandelt. ABER Die Semper Augustus kann nicht gezüchtet werden, da diese Sorte von einem Virus befallen war und die wunderschöne und einzigartige Blüte und deren Flammung in Wirklichkeit, die durch den Virus hervorgerufene Mißbildung war. Deswegen kann die Semper Augustus nicht gezüchtet werden. Sie war also extrem selten und immer wenn etwas selten ist, ist es teuer!

Die Semper Augustus heißt heute Rembrandt Tulpe

Die Rembrandt-Tulpen haben die Flammung der Semper Augustus. Es handelt sich aber um eine Züchtung und nicht um die Semper Augustus.

Bild: Als das Tulpenfieber ausbrach, bereiteten Diebe den Gärtnern schlaflose Nächte. Sie richteten an ihren Beeten Nachtlager ein. Heute ist das nicht mehr notwendig. 100 Rembrandt Tulpen kosten 17,5 Euro. Quelle: bulbi.nl

Findige Züchter haben die Blütenflammung der Semper Augustus nachgeahmt und dabei die Rembrandt Tulpe gezüchtet. Sie wurde als Rembrandt-Tulpe getauft, weil der berühmte Maler Rembrandt die Semper Augustus in seinen Stillleben aufgriff.

Hat Rembrandt auf den Tulpenpreis spekuliert?

Rembrandt starb als armer Mann. Er beteiligte sich an der Tulpenmanie, konnte darüber aber keine exorbitanten Gewinne einfahren.

Rembrandt van Rijn war der bekannteste Barockkünstler der Niederlande. Besonders interessant, bereits zu Lebzeiten wurde er kopiert. Von den angeblich 700 Gemälden stammten tatsächlich nur 350 von Rembrandt selbst. Quelle: Wikipedia

Rembrandt Harmenszoon van Rijn musste 1656 in die Insolvenz und verstarb am vierten Oktober 1669 in Armut. Tatsächlich spekulierte Rembrandt auch auf die Preisentwicklung der Tulpenzwiebeln. Kein Wunder, schließlich brachten Gemälde wie „Die Nachtwache“ nur 1600 Gulden ein.

Tulpomanie – Als die Preise für Tulpenzwiebeln explodierten!

Während die Semper Augustus 1623 noch 1000 Gulden kostete, war sie ein Jahr später schon 200 Gulden teurer. Die Höchstpreise waren mit einem Haus vergleichbar. Dennoch darf nicht vergessen werden, dass es sich bei der Sorte um eine sehr seltene Tulpe handelte. Heute gibt es die Tulpe nicht mehr.

Bild: Der Preis für die Semper Augustus Tulpe ist nicht repräsentativ für die Tulpenmanie. Die Sorte Groot wurde am 28. Dezember 1636 für 0,07 Gulden gehandelt. Nur wenige Tage später, am 12. Januar 1637 kostete eine Zwiebel der Sorte 0,15 Gulden. Die Sorte Switserts stieg von 125 Gulden auf 1500 Gulden je Pfund. Im gleichen Zeitraum wohlgemerkt. Quelle: Trademy

Wie ich bereits erwähnt habe, stellt die Presse die Tulpomanie nicht im richtigen Kontext dar. Tatsächlich haben nur 37 Personen mehr als 300 Gulden für eine Tulpe ausgegeben. Das entspricht dem damaligen Jahresgehalt eines Handwerkermeisters.

Die Käufer waren wie bereits erwähnt zum größten Teil in der Lage, sich die aufgerufenen Preise auch zu leisten.

Tulpenmanie – Die Regierung warnt

Der niederländischen Regierung war das Treiben um die Tulpen nicht ganz geheuer, weshalb sie auch nur sehr zögerlich reagierte. In einem Flugblatt sollte der Irrsinn aufgeklärt werden. Darauf wurde der Gegenwert einer Tulpe gedruckt.

Für eine Tulpenzwiebel im Wert von 3.000 Gulden hätte man auch:

  • 8 Schweine
  • 4 Ochsen
  • 12 Schafe
  • 24 Tonnen Weizen
  • 48 Tonnen Roggen
  • 2 Fässer Wein
  • 4 Fässer Bier
  • 000 Kg Butter
  • 500 Kg Käse
  • 1 silbernen Kelch
  • 1 Ballen Stoff
  • 1 Bett mit Matraze und Bettzeug
  • 1 Schiff im Wert von 500 Gulden bekommen.

Die meisten Tulpenzwiebeln wurden allerdings zu einem Preis von unter 300 Gulden verkauft. Dennoch veranschaulichte der Inhalt des Flugblattes sehr gut, welche Formen der Handel teilweise angenommen hatte. Leider gab es damals noch keine Trading Ausbildung, also musste die Aufklärung mithilfe von Flugblättern durchgeführt werden.

Tulpenmanie auf ihren Zenit – Januar 1637

Im Januar 1637 kam es zu den größten Preisanstiegen. Im Februar wurde dann der große Crash ausgelöst und die größten Züchter der verschiedenen Provinzen kamen in Amsterdam zusammen, um den Schaden zu begrenzen und das weitere Vorgehen zu besprechen.

In Amsterdam wetteten einige Händler auf Tulpen, die noch im Boden waren. Ihre Pracht konnte noch nicht geprüft werden. Ziemlich riskant. Einige Jahre ging das gut, bis Anfang 1637 die Tulpenblase platzte.

Bild: Amsterdam war das Zentrum des Tulpenhandels. Aber auch in anderen Städten wurde fleißig spekuliert. In Alkmaar wurden 120 Tulpenzwiebeln für einen guten zweck versteigert. Der Erlös von 90.000 Gulden ging an ein Waisenhaus. Quelle: Google Maps

Brachte die Tulpenmanie die Republik wirklich ins Wanken?

Es ist ein Irrglaube, dass die holländische Volkswirtschaft beim Platzen der Spekulationsblase in Bedrängnis geriet. Im Gegenteil, denn die Republik war davon komplett unbeeinträchtigt und regulierte auch nicht das muntere Treiben. Vielmehr erwartete der Staat, dass sich die Händler und Betroffenen außergerichtlich einigen sollten.

Ein Schaden für die Stadt Amsterdam ist jedoch nicht von der Hand zu weisen. Zwischen 1635 und 1637 verdoppelten sich die Pleiten in der Stadt.

Mein Fazit zur Tulpenmanie/ Tulpomanie / Tulipmania

Von einem regelrechten Rausch kann nicht die Rede sein. Der Handel wurde mit der Zeit professionalisiert und Expertenkomitees, die den Tulpenhandel überwachten, gegründet. Es wurde nicht wild gekauft und weitergekauft. Eine Tulpenzwiebel ging also nicht durch die Hände von hunderten Glücksrittern. Die längste Käufer- und Verkäuferkette bestand aus fünf Menschen.

Von einem komplett irrationalen Ereignis kann meiner Ansicht nach nicht die Rede sein, denn schließlich waren Tulpen zu diesem Zeitpunkt sehr rar und die Niederländer hatten genug Geld. Die Tulpe war ein Statussymbol und dafür sind Menschen immer bereit mehr zu bezahlen. Dieser Umstand hat sich bis heute nicht geändert. Eine Tulpenzwiebel zum Preis eines Hauses war damals nicht die Regel, sondern die absolute Ausnahme. Der Preis von 10.000 Gulden für die Semper Augustus war nicht übertrieben und würde heute einen viel höheren Preis erzielen, denn diese Sorte konnte wegen eines Virus nicht gezüchtet werden. Die Tulpe war also selten und zum damaligen Zeitpunkt der Inbegriff für Reichtum.

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Es wird dir der aktuelle Umrechnungskurs vom Euro in einen Pfund angezeigt.

Weitere Höchstpreise für Pflanzen:

  • 1997: £ 150.000 für drei schwarze Hyazinthen
  • 2008: £ 265 für Schneeglöckchen der Sorte ‘Flacon de Neige’
  • 2011: £ 357 für eine Galanthus plicatus ‘E. A. Bowles’
  • 2012: £ 725,10 für ein Schneeglöckchen Galanthus woronowii ‘Elizabeth Harrison’

Die Niederlande waren nicht die einzigen mit einer Tulpomanie. Auch in Frankreich wurde die Blume zum Spekulationsobjekt. Ludwig XIV soll jährlich vier Millionen Tulpenzwiebeln importiert haben und damit einen Staatsbankrott riskiert haben.

Im 18. Jahrhundert kam es in den Niederlanden und England zum Hyazinthenfieber. Scheinbar hatten die Nierderländer nichts aus dem Tulpenfieber gelernt. Die King of Great Britain erzielte 1715 einen Preis von umgerechnet 4000 Euro pro Zwiebel.

Das Beispiel zeigt sehr schön, dass die menschliche Natur schon immer gierig war und es auch immer bleiben wird. Gier ist aber nicht immer schlecht, denn es ist der Wachstumsmotor der Gesellschaft. Wenn Menschen nicht gierig nach mehr wären, würde es technischen Fortschritt wohl kaum geben.

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