„Ich kombiniere das Value Investing mit den Vorzügen der Chartanalyse.“ Wahrscheinlich hätten mich auf einen Vortrag bei der Invest in Stuttgart oder der World of Trading in Frankfurt die lauschenden Börsianer ungläubig angeschaut. Vielleicht wäre sogar der ein oder andere Finger hochgegangen. Dabei ist die Idee nicht neu. 

Im Gegenteil mit Christian Bale als Michael Burry im preisgekrönten Meisterwerk „The Big Short“ von Adam McKay fand sie sogar indirekt Einzug in unsere Wohnzimmer.

„I prefer to buy within 10% to 15% of a 52-week low that has shown itself to offer some price support. That’s the contrarian part of me. And if a stock — other than the rare birds discussed above — breaks to a new low, in most cases I cut the loss.“

Michael Burry ist anders. Michael Burry ist interessant. Michael Burry ist erfolgreich. Wollen wir gemeinsam einen Blick auf den Mann werfen, der die Krise 2007 erkannte und die Vorteile des Value Investings mit denen der Chartanalyse bis heute kombiniert? Auf den Mann der heute einen Großteil seines Geldes indirekt in Wasser investiert?

GIF: Christian Bale als Michael Burry im Film „The Big Short“

Wie Michael Burry die Liebe zu den Zahlen entdeckte

Der 1971 in New York geborene und stolze Eigentümer eines Masters von der Vanderbilt University School of Medicine Michael Burry stellt zweifelsohne eine Ausnahmeerscheinung dar.

Michael Burry verwaltete über die Investmentgesellschaft Scion Capital Ende 2004 ungefähr 600 Millionen US-Dollar. Aus dem 13-F-Report von 2016 geht hervor, dass Scion Capital in Alphabet, Coty, Gores und HCA investiert war.

Porträt von Michael Burry. Es wird vermutet, dass Burry am Asperger-Syndrom leidet. Typischerweise fällt an Asperg erkrankte Menschen, der Umgang mit anderen Personen schwer und sie probieren ungern etwas neues aus. Porträt: Trademy

Seine Liebe zu den Zahlen und der daraus resultierenden Leidenschaft für Kapitalanlagen wurde durch ein schweres Schicksal geprägt. Burry erkrankte im Kindesalter an Krebs und verlor ein Auge. Wegen des Glasauges fiel es ihm schwer, anderen Menschen in die Augen zu schauen. Er zog sich zurück und wurde zum Einzelgänger. Wegen den mangelnden zwischenmenschlichen Beziehungen hatte er viel Zeit. Diese nutze er und lernte die Zahlen lieben.

„Ich bin von Natur aus ein Outsider. Ich habe mich immer außerhalb der Gruppe gefühlt, und ich habe die Gruppe analysiert.“

Nach seinem Master war er als Doktor im Stanford Hospital tätig. Manche mögen ihn als besessen bezeichnen, denn nach den 16-Stunden-Schichten im Krankenhaus inhalierte er von 24:00 bis 3:00 Uhr alles zum Thema Finanzen. Das war seine Trading AusbildungDie Lehren von Buffett und Graham studierte er ausführlich. Seiner Meinung nach würde er mit deren Strategien nichts Außergewöhnliches erreichen. Er sollte recht behalten.

„Ich liebe es einfach, meine eigenen Ideen zu entwickeln.“

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Michael Burry - Vom Doktor der Neurologie zum Starinvestor

Die von ihm im Jahr 2000 gegründete Investmentgesellschaft Scion Capital erzielte in acht Jahren eine Rendite von 489 Prozent. Aus der finanziellen Perspektive dürfte er die Beendigung seiner Medizinkarriere wohl nie bereut haben.

Im Jahr 2005 beschäftigte Burry sich mit dem amerikanischen Immobilienmarkt. Das Platzen der Blase sagte er ziemlich genau für das Jahr 2007 voraus. Der Prime-Markt, bestehend aus Kunden mit einer erstklassigen Bonität wurde für die Banken zum wettbewerbsintensiven Schlachtfeld. Alle schielten auf die Ninjas und lockten sie mit günstigen Zinsen für eine festgelegte Laufzeit. Wer kein Einkommen, keinen Job und kein Vermögen besitzt, der wird sich eine Anhebung des Zinssatzes nur schwer leisten können. So weitsichtig waren die Banker nicht und verbrieften den ganzen Schrott gemeinsam mit einigen Primekrediten und voila – Fertig war die Gelddruckmaschine. Geblendet von den schönsten drei Buchstaben -AAA- wollte niemand so wirklich die Wahrheit wahrhaben.

Video: Der Film The Big Short handelt unteranderem von Michael Burry, Doktor Michael Burry. Die Produktionskosten beliefen sich auf 28 Millionen Dollar. Binnen sieben Monaten hat er 133 Millionen US-Dollar eingespielt und gilt heute als einer der besten Filme rund um die Finanzkrise.

Michael Burry erkannte das perfide Spiel und riskierte einen Blick in die Anleihen. Er wusste, sobald die Zinsen steigen, geriet das internationale Finanzsystem ins Wanken. Um daraus Profit zu schlagen, setzte er auf sogenannte Kreditausfallversicherungen, kurz CDS. Sobald die Kredite der Ninjas nicht mehr bedient wurden, griff die Versicherung. Der Rest ist Geschichte.

Das Platzen der Immobilienblase brachte ihn über 100 Millionen US-Dollar ein. Auf seine Geldgeber prasselte ein Geldregen in Höhe von 700 Millionen US-Dollar nieder. Burry erkannte nicht nur das Platzen der Blase, sondern er handelte auch extrem clever.

„Es ist lächerlich zu glauben, dass man Blasen nur im Nachhinein erkennen kann.“

Das Wetten gegen die herrschende Meinung hat Burry viel Kraft bei seinen Investoren gekostet. Auch wenn sie am Ende auf der richtigen Seite standen, so musste er hart dafür kämpfen. Er entschloss sich deshalb im Jahr 2008 seinen Fonds zu schließen und kleinere Brötchen zu backen. Seit 2013 führt er das private Investmenthaus Scion Asset Management, LLC und in den Fokus der Begierde rücken Unternehmen mit langfristig guten Aussichten, aber derzeit schwerwiegenden Problemen. Diesen Ansatz kennen wir bereits von Corporate Raidern wie Gordon Gekko. Zudem investiert er in Unternehmen rund um das Thema Wasser, da Burry einen Anstieg des Rohstoffs für wahrscheinlich hält.

Video: In einem Interview mit dem New York Magazin warnte Burry vor den niedrigen, bzw. negativen Zinssätzen. Das komplette System sieht er enormen Druck ausgesetzt. Im Video wird die Portfolioveränderung von Scion Asset Management in 2016 betrachtet.

Michael Burry - Seine Strategie

Mit dem 52 Wochenhoch haben wir uns bereits in einem anderen Artikel beschäftigt. Michael Burry nutzte das 52 Wochentief für seine Anlageentscheidungen. Er kaufte Aktien, die 10 bis 15 Prozent vom 52 Wochentief entfernt waren. Sich also langsam auf Erholungskurs befinden.

Micheal Burry Strategie am Praxisbeispiel von Adidas

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Volume | Market Cap | Shares | PEG Ratio | EPS

 

Michael Burrys Strategie am Beispiel von Adidas erklärt.

Chart: Die Adidas Aktie geriet 2014 mächtig unter Druck. Damit Michael Burry nicht ins fallende Messer greift, wartet er die Bodenbildung ab. Ende 2014 war das der Fall. Die Aktie erholte sich wieder und ein Einstieg hätte sich gelohnt. Quelle: Tradingview

Micheal Burry Strategie am Praxisbeispiel von der Commerzbank

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Volume | Market Cap | Shares | PEG Ratio | EPS

 

Michael Burry wartet auf ein 52 Wochentief und auf eine Bodenbildung. Entfernt sich der Kurs wieder zwischen 10 und 15 Prozent, wird in den Wert investiert.

Chart: Michael Burry investierte nicht ausschließlich nach Charttechnik. Das Beispiel dient zur Veranschaulichung seiner Vorgehensweise mithilfe der Chartanalyse. Er wartete auf ein 52 Wochentief. Anschließend wurde nicht sofort investiert, denn niemand kann sagen, ob der Kurs noch weiter fällt. Erst nach der Bodenbildung kaufte er die Aktie. Quelle: Tradingview

Michael Burry und die Wasser-Neuverteilung

Die Erde ist mit 72% Wasser bedeckt. Davon sind 0,3% Trinkwasser. Bis zum Jahr 2025 werden über 1,8 Milliarden Menschen von Wasserknappheit betroffen sein. Burry teilt diese Annahme und dennoch ist es nicht so wie es scheint, denn er kauft nicht Wasserrechte, sondern er investiert in flüssigkeitsspendende Nahrungsmittel, zum Beispiel Früchte. Es so wie Nestle zu machen, möchte er nicht, denn der Ansatz birgt zu viel Konfliktpotenzial in sich. Burry kauf also Land und pflanzt darauf Lebensmittel an. Diese werden dann umverteilt, nämlich in wasserarme Gebiete, wo eben nicht so viel wächst.

Das Land möchte er möglichst billig erwerben und aus diesem Grund kauft er es unbebaut. Mittlerweile soll er sich ein beachtliches Portfolio aufgebaut haben. Den genauen Anteil am Portfolio möchte er jedoch nicht verraten.

Seine Idee ist wirklich genial. Bedenke, dass für eine Flasche Wein vierhundert Flaschen Wasser, welches in Essen eingeschlossen ist, benötigt werden.

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Fazit zu Michael Burry

Ich möchte den Artikel mit zwei Zitaten von ihm beenden. Eines davon zeigt ihn als private Person und das andere als Investor.

„Ich mag Ihre Frisur. Haben Sie das selbst geschnitten?“

„Im Wesentlichen besteht der Aktienmarkt aus 3 verschiedenen Kategorien von Unternehmen. Das sind, inflationsbereinigt, solche Unternehmen mit sinkendem intrinsischem Wert, solche mit stabilem intrinsischem Wert und solche mit permanent steigendem intrinsischem Wert. Priorität hat, und zwar immer, ein Unternehmen auf lange Sicht zu einem Kurs unter dem wachsenden intrinsischen Wert zu kaufen.“

Dein Martin Brosy

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