Eines der einfachsten Handelssystem ist das traden des Allzeithochs oder des 52 Wochenhoch. In einigen Beispielen möchte ich dir die Vorgehensweise Schritt für Schritt erklären. Zunächst einige Worte zur mentalen Herausforderung. Anschließend wird die Theorie zur Strategie 52 Wochenhoch erläutert und es folgen Beispiele.

Alltime-High / 52 Wochenhoch – Psychologische Hürden!

Buy the dip or sell the rally! Sinngemäß kann der Satz mit einem Zitat von Carl Mayer von Rothschild übersetzt werden: Kaufen, wenn die Kanonen donnern, verkaufen, wenn die Violinen spielen. Für die nächsten Minuten musst du die Philosophie vergessen und dich auf „teuer kaufen und noch teurer verkaufen“ einstellen, schließlich steigst du in einen Wert ein, wenn er neue Höchstwerte erreicht.

Was der Dispositionseffekts mit dem 52 Wochenhoch zu tun hat

An dieser Stelle sind wir bereits bei den Nobelpreisträgern Tversky und Kahneman, welche sich beide um die Finanzpsychologie verdient gemacht haben. Die 1979 von Daniel Kahneman und Amos Tversky beschriebene Prospect Theory bildet das Fundament des Dispositionseffekts. Die Aussage hinter dem Effekt ist Folgender: Als Börsianer empfindest du einen realisierten 100 Euro Gewinn nicht so stark, wie ein 100 Euro Verlust. Aus diesem Grund wird bei unerfahrenen Tradern das Depot schnell zum Sammelbecken von Verlierern, denn das realisieren von Buchverlusten schmerzt zu sehr.

Den Alltime-High-Bias musst du bekämpfen

Hieraus resultiert bei manchen Anlegern die Angst vor einem neuen Jahres- oder Allzeithoch und die laufende Position wird im Gewinn geschlossen. Wir erinnern uns, Gewinne werden vergleichsweise schnell mitgenommen. Dem Anleger gehen jetzt nur noch folgende Dinge durch den Kopf – Überbewertung und wann folgt der nächste Kursrücksetzer auf ein akzeptables Niveau oder folgt sogar ein Crash. Hier spielt dir das Unterbewusstsein einen Streich und du musst aktiv dagegen arbeiten und deine Emotionen in den Griff bekommen. Dieses Phänomen wird auch als Alltime-High-Bias bezeichnet.

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Alltime-High / 52 Wochenhoch – Die Theorie in kurzen Absätzen!

Nachdem wir die emotionalen Herausforderungen behandelt haben, möchte ich dir kurz und knackig die Theorie hinter der Strategie erläutern. Anschließend schauen wir uns gemeinsam einige Praxisbeispiele an. Für deine Trading Ausbildung ist diese Strategie elementar. Nehme dir also einige Minuten Zeit für diesen Artikel.

Welche Ziele werden mit der Strategie vom 52 Wochenhoch verfolgt?

Das große Geld? Eine positive Rendite? Ganz genau, es geht um das liebe Geld und darum es zu vermehren. Es geht aber auch um den Kapitalerhalt. Mit der Strategie sollst du an Bullenmärkten partizipieren und bei Seitwärts- und Bärenmärkten alles von der Seitenlinie beobachten.

Wie identifiziere ich einen Bullenmarkt?

Seit 2000 durchlief der DAX vier Marktphasen. Aktuell befindet er sich in einem Bullenmarkt.

Bild: Bewegen sich über Monate, bzw. Jahre die Kurse abwärts, dann kannst du von einem Bärenmarkt sprechen. Der Bären- und Bullenmarkt müssen sich deutlich von der Korrektur unterscheiden. Im Chart habe ich zwei übergeordnete Bären- und zwei Bullenmärkte identifiziert. Bildquelle: de.finance.yahoo.com

Zur Identifizierung der Marktphase kannst du dich dem klassischen Trendkonzept bedienen und einen Aufwärtstrend im DAX oder einem anderen aussagekräftigen Index durch die Verbindung von Higher Lows (Bullenmarkt) einzeichnen. Der Abwärtstrend (Bärenmarkt) zeichnet sich durch lower Lows und lower Highs aus. Zusätzlich kannst du auch einen SMA 200 hinzuschalten. Befindet sich der Kurs oberhalb des SMAs 200 und neigt sich im optimalen Fall gen Norden, dann kann ebenfalls von einem Bullenmarkt gesprochen werden.

Wie finde ich potentielle Kandidaten für ein Allzeithoch oder 52-Wochehoch?

Nachdem wir nun wissen, dass wir uns in einem Bullenmarkt befinden, gilt es jetzt aussichtsreiche Kandidaten zu finden. Entweder stellt dir deine Handelsplattform entsprechende Filtermethoden zur Verfügung oder du greifst auf externe Anbieter für Börsensoftware zurück. Im Grunde stellt die Recherche aber kein großes Problem dar.

Du kannst natürlich auch in jeden Titel aus dem DAX eine Buy-Stop-Order platzieren. Allerdings ist der Aufwand dann doch zu hoch, denn im S&P500 müsstest du 500 dieser Orders platzieren, um schlussendlich keinen Einstieg zu verpassen.

Wann erfolgt der Einstieg?

Wenn du die ersten Kandidaten für einen Trade verifiziert hast, steigst du ein. Entweder direkt zum nächsten Kurs oder du wartest auf eine Konsolidierung und steigst dann ein, wenn der Kursrücksetzer überwunden ist und das letzte Allzeithoch oder 52-Wochenhoch durchbrochen wurde.

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Volume | Market Cap | Shares | PEG Ratio | EPS
Im XING-Chart werden die verschiedenen Einstiegsmöglichkeiten erklärt.

Bild: Im Beispiel von XING erkennst du die Konsolidierungsphasen sehr gut. Bevor die nächste Bewegung beginnt, holt der Markt Luft und setzt nach der Korrektur seine Bewegung fort. Du musst also nicht umgehend einsteigen, sondern setzt Werte auf die Watchlist die ein neues 52 Wochen-Hoch erreicht haben. Die Werte, die anschließend in eine Konsolidierung gehen, werden weiter beobachtet. Sobald der Breakout über das kürzlich gebildete 52-Wochen-Hoch beginnt, steigst du entweder zum nächsten Eröffnungskurs ein oder du platzierst 50 Cent oberhalb des Hochs eine Buy-Stopp-Order. Bildquelle: de.finance.yahoo.com

Wo wird der Stop-Loss platziert?

Stop-Loss Techniken gibt es wie Sand am Meer. Schlussendlich hängt das stark von den eigenen Präferenzen ab. Womit fühlst du dich am wohlsten? Supertrendindikator? EMA 20? Korrekturtief, bzw. Swing-Low? Tief der vorangegangenen Kerze? 5 Prozent unterhalb des Entrys? Doppelter Wert der Preisrange vom Tag des Anstiegs? Die Entscheidung wird maßgeblich von deinem Risiko und Money-Management beeinflusst.

Im XING-Chart werden die verschiedenen SL-Möglichkeiten erklärt.

Bild: Im Chart von XING sind zwei Möglichkeiten für einen Initial-Stop eingezeichnet. Der Exit-Stop wird entsprechend nachgezogen, zum Beispiel von einem Swing-Low zum nächsten. Problematisch wird es nur, wenn der Trend so aggressiv ist, dass sich keine Swing-Lows herausbilden, sprich der Wert nicht korrigiert. In diesem Fall musst du deine Technik anpassen. Bildquelle: de.finance.yahoo.com

Wann steige ich aus?

Ja darüber solltest du dir Gedanken machen! Bevor ich in einen Trade einsteige, muss ich eine Exit-Strategie haben. Gut, wenn du bereits im Gewinn bist und deinen Exit-Stop kontinuierlich nachziehst, surfst du die Welle, solange es eben geht. Du kannst dir aber auch ein konkretes Kursziel setzen. Am Tag des Einstiegs subtrahierst du den Höchstkurs vom Tiefstkurs und multiplizierst diesen mit vier. Anschließend addierst du diesen Wert zum Einstiegskurs und erhältst deinen Take-Profit.

Wie viele Anteile soll ich kaufen?

Wir haben dein Einstiegskurs und das Risiko definiert. Lass uns gemeinsam ein kleines Beispiel durchrechnen:

  • Einstieg: 10 Euro
  • SL: bei 9 Euro
  • Risiko: 2% vom Tradingkapital
  • Depotgröße: 50.000 Euro
  • Gesamtrisiko: 1.000 Euro

Insgesamt möchte ich von meinem Tradingkapital zwei Prozent riskieren. Bei einem Depotwert von 50.000 Euro ergibt sich ein Risiko von 1.000 Euro. Pro Aktie nehme ich einen Verlust von einen Euro in Kauf. Jetzt muss ich nur noch das Gesamtrisiko durch das Risiko pro Aktie teilen und erhalte als Ergebnis 1.000 Aktien.

  • 1000 Euro : (Einstieg (10 Euro) – SL (9 Euro))= 1.000 Aktien

Theoretisch könnte ich also 1.000 Aktien im Wert von 10.000 Euro erwerben und würde dabei lediglich zwei Prozent meines Tradingkapitals riskieren.

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Alltime-High / 52 Wochenhoch – Die Praxis

Auf den nächsten Zeilen besprechen wir drei Beispiele. Wichtig ist, dass immer mit einem SL gearbeitet wird. Zwar wusste schon Jesse Livermore, dass die Wahrscheinlichkeit eine Trendfortsetzung höher ist, als deren Bruch, dennoch solltest du im Fall des Falles abgesichert sein. Warum? Werde ich dir zeigen, denn die Trefferquote ist selbst beim 52-Wochenhoch oder -tief nicht immer 100 Prozent sondern oftmals unterhalb von 50 Prozent.

Alltime-High / 52 Wochenhoch – Praxisbeispiel Commerzbank

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Volume | Market Cap | Shares | PEG Ratio | EPS

Werfen wir zunächst einen Blick auf den Chart der Commerzbank (siehe unten). Am 21.01.2018 wurde nicht nur ein neues 52 Wochen-Hoch herausgebildet, sondern es handelte sich bei der Notierung auch um den höchsten Wert seit drei Jahren.

In diesem Beispiel kann der Einstieg sofort bei 13,74 Euro erfolgen und der SL wird unterhalb des letzten Swing-Lows bei 12,34 platziert. Der intakte Aufwärtstrend ist nicht aggressiv. Was so viel bedeutet wie, dass es kurze Konsolidierungsphasen gibt und deshalb der Exit-Stop immer von einem Korrekturtief zum nächsten nachgezogen werden kann. Mit einem Abstand von knapp 10 Prozent oder 1,4 Euro hat unsere Position somit genug Platz zum Atmen.

Am 20.01.2013 erreichte der Kurs eine Notierung von 16,58 Euro, was einem Potenzial von zwanzig Prozent entspricht und somit einem CRV von 2. An diesem wichtigen Widerstand könnte ein Teil der Position verkauft werden.

Beispieltrade im Wert der Commerzbank. Regelwerk 52 Wochenhoch und Alltime-High.

Bild: Banken sind immer ein schwieriger Investmentcase, denn selbst Experten steigen bei den Geschäften nicht durch. Als Investment würde ich persönlich eine Bankenaktie nicht betrachten. Für einen Trade, nach klaren Regeln, kann ich mich dann aber doch hinreißen lassen. Bildquelle: de.finance.yahoo.com

Es ist Oktober 2018 und ich möchte einen erneuten Blick auf den Chart der Commerzbank und unseren Trade werfen. Entgegen unserer Erwartungen ist der Kurs nicht weiter gestiegen, sondern in den Folgemonaten dramatisch gefallen. Ohne Zweifel wäre der Stopp-Loss gerissen worden und wir hätten die Position im Minus schließen müssen.

Der Kurs ist nach Erreichen eines neuen Hochs über Monate gefallen. Wer keinen Stoppkurs gesetzt hat, hätte seine Position fast halbiert.

Bild: Die Dramatik eines fehlenden Stopp-Kurses wird am Chart der Commerzbank sichtbar. Ein neuer Hochpunkt ist kein Garant für weitere Höchstkurse. Selbst in Bullenmärkten nicht. Die proaktive Verlustbegrenzung bleibt das oberste Gebot. Bildquelle: Tradingview

Alltime-High / 52 Wochenhoch - Praxisbeispiel Norma-Group

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Volume | Market Cap | Shares | PEG Ratio | EPS

Widmen wir uns einer anderen Aktie. Die Norma-Group erreichte kürzlich ein neues Alltime-High und durchbrach somit das Hoch von vor zwei Monaten (Siehe Chart unten).

Der Entry hätte zum Kurs von 64,65 Euro stattfinden können. Den SL platzieren wir wieder unterhalb des Korrekturtiefs. Diesmal nutzen wir keinen Wochenchart, sondern einen Monatscharts. Welche Einstellung du benutzt, ist dir überlassen, nur lasse die Finger vom Tageschart, da in diesem Fall das Rauschen zu groß ist.

Beispieltrade im Wert der Norma Group. Regelwerk 52 Wochenhoch und Alltime-High.

Bild: Klamm und heimlich erklimmt der Kurs der Norma Group neue Höchststände. Eine gute Gelegenheit in den Wert zu investieren. Bildquelle: de.finance.yahoo.com

Spulen wir einige Monate vor. Der Kurs erreichte in den nächsten Wochen einen Höchststand bei über 70 Euro. Der Kurs lag zu diesem Zeitpunkt knapp 9,3 Prozent oberhalb des Einstiegskurses. Zwei Kerzen nach unserem Einstieg bildete sich ein Hammer heraus. Der Stopp-Kurs hätte auf das Tief der Candle nachgezogen werden. Somit hätten wir das Risiko vermindert. Allerdings muss hier ganz klar gesagt werden, dass auch dieser Trade nicht positiv ausgegangen wäre, denn wer verkauft schon am höchsten Punkt einer Bewegung.

Beispieltrade im Wert der Norma Group nach Regelwerk 52 Wochenhoch und Alltime-High wäre nicht aufgegangen.

Bild: In den ersten Wochen entwickelte sich der Kurs nach unseren Erwartungen, dann setzte die Abwärtsbewegung aus und unser SL wäre ausgelöst worden. Bildquelle: Tradingview

 

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Alltime-Low / 52 Wochentief – General Electric

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Volume | Market Cap | Shares | PEG Ratio | EPS

Zum Schluss betrachten wir die Aktie von General Electric. Diesmal kaufen wir aber nicht das Hoch, sondern das Tief der letzten sechs Jahre. Normalerweise gilt, greife nicht ins fallende Messer. Hier spekulieren wir aber auch fallende Kurse. Der Abwärtstrend ist sehr aggressiv und es finden kaum Korrekturen statt. Die Aktie crasht förmlich und das entgegen des Bullenmarktes. Hier könnte es Sinn machen zu 13,04 Euro einzusteigen und oberhalb des Höchstkurses der aktuellen Kerze den SL zu platzieren.

Beispieltrade im Wert von General Electric. Regelwerk 52 Wochen-Tief und Alltime-Low.

Bild: Der Abwärtstrend ist ja schon fast unheimlich. 2007 bis 2009 gab es schon einmal einen solchen Abverkauf. Damals hatten wir die Finanzkrise. Wenn GE ein Frühindikator für die Weltwirtschaft wäre, dann könnte der Bullenmarkt bald ein Ende finden. Bildquelle: de.finance.yahoo.com

Einige Wochen später ist der Kurs da wo wir ihn haben wollen. Den ursprünglichen SL können wir auf Einstieg nachziehen. Zwischenzeitlich war die Position 26 Prozent im Plus. Im Chart gut erkennbar, es bildet sich ein Boden. Der Abwärtstrend ist nicht mehr so aggressiv.

Beispieltrade im Wert von General Electric nach Regelwerk 52 Wochen-Tief und Alltime-Low in der Nachbetrachtung. Der Trade hat sich gut geschlagen.

Bild: Ich habe im Chart den alten Einstieg und das SL-Niveau eingezeichnet. Bei der nächsten roten Kerze, bzw. in der Nähe des Tiefs der aktuellen Kerze könnte über eine Mitnahme des Gewinns nachgedacht werden. Bildquelle: Tradingview

Alltime-High / 52 Wochenhoch – Fazit

Das Traden von neuen Höchstständen stellt keine besondere Herausforderung dar, wenn du dem Gehirn nicht erlaubst zu glauben, dass nach einer langen Zeit von steigenden Kursen, fallende Kurse folgen müssen. Beim Regelwerk kannst du nicht viel falsch machen. Entweder steigst du zum nächsten Eröffnungskurs ein oder du wartest die